Frei nach Wilhelm Busch…

„Drei Tage war die Kelly krank, jetzt frisst sie wieder – Gott sei Dank.“

Ich kann es gar nicht so richtig in Worte fassen, wie unendlich erleichtert ich bin – gestern Abend hat Kelly das erste Mal seit Samstag wieder mit Appetit gefressen und hätte hinterher am liebsten noch mehr in den Napf bekommen. Zusätzlich zu „nichts fressen“ kam gestern Morgen noch, dass Kelly bei der kleinsten Anstrengung heftig erbrochen hat. Aber der Reihe nach und mit Bildern, denn man sieht es ihr an:

(anklicken vergrößert das Bild)

  1. gestern Vormittag, während wir auf die Tierärztin gewartet haben. Kelly liegt müde und apathisch auf dem Boden, zittert beim Aufstehen und wirkt wie ein großes Häufchen Elend. Die Tierärztin verabreicht ihr zwei Spritzen, einmal Cortison gegen Schmerzen und einmal eine Spritze gegen das häufige Erbrechen. Aufgabe an mich – etwa eine halbe Stunde nach Verabreichen der Spritzen dem Hund etwas zu essen geben. Habe ich auch gemacht, siehe…
  2. Kelly liegt neben dem Futternapf, was man auf dem Foto nicht sieht ist der angewiderte Gesichtsausdruck. Ja, auch Hunde haben eine aussagekräftige Mimik. 😉 Da ich den Napf nicht weggenommen habe, ist sie aufgestanden und hat sich in die am weitesten entfernte Ecke verzogen und kam erst wieder aufs Sofa, als die Luft rein, sprich der Napf weg war.
  3. Den Rest des Tages lag Kelly auf dem Sofa und interessierte sich für nichts. Noch nicht mal die Schiebetüre des Paketautos entlockte ihr irgendeine Reaktion – das Geräusch ist normalerweise Garant für Knurren und eine Rückenbürste. Irgendwann schaute sie mich aber so an wie auf Foto 3 und ich habe mich gefreut, weil sie so fit wirkte. Futter / Fressen war aber trotzdem uninteressant und sie drehte jeweils nur den Kopf weg. Auch ließ sie sich zu dem Zeitpunkt jeweils ohne Widerstand die Treppen rauf- und runtertragen, wenn es nach draußen ging, wartete regelrechr darauf, dass man sie hochhebt.
  4. Nach unserem Gassi gehen gegen 16 Uhr – wobei Gassi gehen hieß, ich trage sie nach unten, setze sie dort auf die Wiese, sie eiert ein paar Schritte über die Wiese, ich passe auf dass sie nicht umfällt und trage sie wieder nach oben. Irgendwann wechselt sie aus dem Körbchen zurück ins Wohnzimmer und legt sich aufs Sofa. Aber halt immer noch total platt.

    Kurz nach 18 Uhr kommt Fred nach Hause. Und ich sitze im Wohnzimmer und denke, ich sehe nicht richtig – als Kelly den Schlüssel in der Wohnungstüre hört, setzt sie sich auf, spitzt die Ohren und schaut neugierig in Richtung Türe. Für Aufstehen und ihm entgegen laufen ist sie zu langsam, aber schon allein die Tatsache, dass sie auf ihn reagiert macht uns froh. Das war ihr die letzten Tage nämlich auch egal. So richtig egal, sie hat teilweise noch nicht mal die Augen geöffnet. Fred geht gleich nochmal mit ihr runter, sie möchte die Treppe alleine nach unten gehen und ist auch auf der Wiese lebhafter unterwegs als tagsüber. Treppe hoch ist noch nicht so das Wahre, sie bleibt auf dem Absatz stehen und lässt sich die letzten Stufen tragen und verschwindet dann gleich wieder ins Körbchen. Fred geht gleich noch mit Banu, weil die in den letzten Tagen ein bisschen zu kurz kommt und zurückstecken muss. Ich werkle in der Küche vor mich hin, es soll Maultaschen zum Abendessen geben. Als ich mit der Maultaschen-Packung beim Öffnen knistere höre ich es im Flur tapsen und Kelly kommt um die Ecke. Aber hallo, mein Mädchen. Das von mir zuerst hingehaltene Fressen verschmäht sie allerdings erneut.

  5. Dann legt Fred ihr einfach eine kleine Portion Fleisch in die Schüssel und ich kann gar nicht so schnell fotografieren, wie Kelly den Schüsselinhalt inhaliert…. Wir nehmen nochmal was aus dem Kühlschrank, das muss allerdings erst noch ein bisschen warm werden. Während die Schüssel auf der Wärmeplatte steht, liegt Kelly mitten in der Küche und bewacht die Wärmeplatte. So kennen wir sie… 😀 Auch die zweite Portion wird inhaliert. Und danach ist erstmal Schluß – sie würde noch mehr fressen, bekommt aber nicht mehr, wir wollen den Magen nicht überfordern. Den Abend über ist sie munterer als tagsüber und wir freuen uns über jeden Hauch von Normalität.

    Heute Morgen gab es gleich nach dem Aufstehen für Kelly nochmal eine Portion Fleisch, die komplett weggeputzt wurde. Das erste Mal nach unten zum Gassi gehen hat sie auch alleine bewältigt, Fred meinte sie wäre auch nicht so wackelig gewesen. Da ich heute Morgen auch nochmal zu meiner Hausärztin musste, habe ich die Hunde dann auch alleine gelassen – sie werden von uns in altbekannter Weise per Webcam überwacht. 😀
    Auf dem Rückweg von der Hausärztin habe ich noch schnell leckere Hähnchenherzen gekauft und bin bei der Tierärztin vorbei, Entwarnung geben und ein neues Medikament abholen. Wieder zu Hause bin ich erst mal mit den Hunden runter – Kelly ist komplett bis zur Hundewiese gelaufen, war auf der Hundewiese munter und aufnahmefähig und ist dann auch alleine die Treppe gelaufen. Die verabreichte Portion Hähnchenherzen wurde praktisch inhaliert, das neue Medikament konnte ich ihr auch in den Fang tröpfeln und dann…

  6. …hat sie so wie immer geschaut, ob es nicht noch mehr geben könnte. 😀 So kenne ich den Hund.

Während ich hier am Schreibtisch sitze und blogge liegt Kelly im Wohnzimmer auf dem Sofa. Sie ist müder als sonst, aber nicht mehr so apathisch – wenn ich in der Küche mit irgendwas raschle, höre ich im Wohnzimmer den Hund vom Sofa hüpfen und sie steht hinter mir. So darf das bitte weitergehen. Dass sie altersbedingte Wehwehchen hat, wir in Zukunft regelmäßig Medikamente geben müssen und der große Hund nicht mehr so fit ist wie früher – scheiß drauf. So lange wir nicht den Eindruck haben, dass sie durch ihre Tumore Schmerzen hat und leidet ist alles gut. Und wenn wir den Eindruck gewinnen, müssen wir handeln, das steht nicht in Frage. Bis dahin möchte ich, dass sie ein lebenswertes Hundeleben bei uns hat.

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5 Kommentare

  1. Ich kann hier gar nicht so viele Herzchen hinschreiben, wie mir gerade zumute ist. <3
    Ist.das.schön.
    Was für ein Geschenk vom Leben!

    • Frag mich mal. 🙂 Ich kann es immer noch nicht fassen. Sie ist zwar immer noch müder und ruhiger als sonst, aber wieder dabei. Reagiert auf die Umwelt, frisst was man ihr vor die Nase hält.

  2. Hach Tanja, ich habe es so sehr gehofft und ich hatte eben Tränen in den Augen, als ich die schöne Nachricht gelesen habe. Knuddel die Hundeomi mal von mir und richte ihr aus, sie soll uns allen und insbesondere Euch keine solchen Sorgen mehr machen.

  3. Gestern waren es Tränen vor Traurigkeit und jetzt „schwimmen“ meine Augen weil ich mich so für euch freue. Weiter so, kleine große Kelly.♥♥♥

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